Beaujolais ist weit mehr als der junge Nouveau, der jedes Jahr im November erscheint. Zwischen einem unkomplizierten Beaujolais, einem Beaujolais-Villages, einem floralen Fleurie und einem strukturierten Morgon oder Moulin-à-Vent liegen erhebliche Unterschiede. Wer nur nach dem Wort „Beaujolais“ sucht, übersieht deshalb einen großen Teil der Region.
Die einfachste Kaufentscheidung beginnt nicht mit dem teuersten Wein oder bekanntesten Cru, sondern mit drei Fragen: Wie leicht oder strukturiert soll der Wein sein? Soll er jetzt getrunken oder noch gelagert werden? Und welche Herkunft steht tatsächlich auf dem Etikett?
Kurzantwort: Beaujolais Nouveau steht für sehr jungen, unmittelbaren Trinkgenuss. Beaujolais und Beaujolais-Villages sind gute Einstiege in die Region. Die zehn Crus reichen von besonders frischen und floralen Stilen wie Chiroubles oder Fleurie bis zu strukturierten, entwicklungsfähigen Weinen aus Morgon und Moulin-à-Vent.
Welcher Beaujolais passt zu mir?
| Gesucht | Gute Ausgangspunkte | Warum? |
|---|---|---|
| sehr jung und unmittelbar fruchtig | Beaujolais Nouveau | bewusst früh abgefüllt und für frühen Genuss gedacht |
| unkomplizierter frischer Rotwein | Beaujolais | fruchtbetonter Einstieg in die Region |
| mehr Herkunft und etwas mehr Struktur | Beaujolais-Villages | engere Herkunft und große stilistische Bandbreite |
| besonders frisch und floral | Chiroubles, Fleurie | häufig feinere, duftigere Cru-Stile |
| saftig und zugänglich | Régnié, Brouilly | fruchtbetonte Crus, oft schon jung sehr angenehm |
| mehr Würze und Struktur | Juliénas, Chénas, Côte de Brouilly | mehr Körper und Struktur, ohne automatisch schwer zu wirken |
| Tiefe und Flaschenreife | Morgon, Moulin-à-Vent | besonders interessant, wenn Entwicklung und Struktur gesucht werden |
Diese Einteilung ist eine Orientierung und keine Rangliste. Produzent, Lage, Jahrgang und Vinifikation können zwei Weine derselben Appellation deutlich voneinander unterscheiden.
Das Etikett verstehen: Ist Morgon überhaupt Beaujolais?
Eine der größten Hürden beim Kauf ist überraschend banal: Auf hochwertigen Beaujolais steht häufig nicht groß „Beaujolais“, sondern beispielsweise Morgon, Fleurie, Régnié oder Moulin-à-Vent.
Diese Namen sind keine Rebsorten. Sie bezeichnen eigenständige Herkunftsappellationen innerhalb des Beaujolais.
| Auf dem Etikett | Was es bedeutet | Beim Kauf beachten |
|---|---|---|
| Beaujolais Nouveau | junger Primeur-Wein aus Beaujolais | für sehr frühen, fruchtbetonten Genuss |
| Beaujolais | regionale AOC | guter unkomplizierter Einstieg |
| Beaujolais-Villages | regionale Herkunft aus einem enger definierten Gebiet | häufig mehr Struktur, aber nicht automatisch „besser“ |
| Fleurie | einer der zehn Crus | häufig fein, floral und elegant |
| Chiroubles | einer der zehn Crus | häufig besonders frisch und duftig |
| Régnié | einer der zehn Crus | oft zugänglich und fruchtbetont |
| Morgon | einer der zehn Crus | mehr Struktur und häufig gutes Entwicklungspotenzial |
| Moulin-à-Vent | einer der zehn Crus | oft besonders strukturiert und komplex |
Nicht verwechseln: Das Beaujolais besitzt insgesamt zwölf Appellationen. Zehn davon sind Crus. Beaujolais und Beaujolais-Villages bilden die beiden regionalen Appellationen. Beaujolais Nouveau ist kein elfter Cru und auch keine zusätzliche dreizehnte Appellation.
Die 10 Crus des Beaujolais im Vergleich
Die Crus liegen überwiegend im nördlichen Teil des Beaujolais. Sie sind keine zehn aufsteigenden Qualitätsstufen, sondern zehn unterschiedliche kommunale Herkunftsappellationen.
Deshalb ist die Frage „Welcher Cru ist der beste?“ wenig hilfreich. Sinnvoller ist: Welcher Cru passt zum gewünschten Stil?
| Cru | Typische Richtung | Interessant, wenn … |
|---|---|---|
| Brouilly | fruchtig, rund, weich | ein zugänglicher Cru für frühen Genuss gesucht wird |
| Côte de Brouilly | lebendig, würzig, strukturierter | mehr Spannung und Struktur als bei sehr weichen Stilen gewünscht wird |
| Chénas | großzügig, strukturiert, würzig | kräftigerer Gamay mit dunklerer Frucht interessant ist |
| Chiroubles | frisch, floral, ausdrucksstark | Leichtigkeit und Duft wichtiger sind als maximale Kraft |
| Fleurie | fein, floral, elegant | ein besonders eleganter Einstieg in die Crus gesucht wird |
| Juliénas | frisch, fleischig, würzig | Frucht und etwas mehr Struktur verbunden werden sollen |
| Morgon | dicht, kräftig, strukturiert | mehr Tiefe und Entwicklungspotenzial gesucht werden |
| Moulin-à-Vent | strukturiert, komplex, elegant | ein Beaujolais für Reife und besondere Anlässe gesucht wird |
| Régnié | leicht, aromatisch, saftig | ein unkomplizierter Einstieg in die Cru-Welt gewünscht ist |
| Saint-Amour | je nach Ausbau leicht-fruchtig bis kräftiger | ein vielseitiger Cru mit zwei deutlich unterschiedlichen Stilrichtungen reizt |
Chiroubles: besonders frisch und floral
Chiroubles liegt vergleichsweise hoch. Die Weine werden häufig von Frische, roten Früchten und floralen Noten geprägt und eignen sich besonders für alle, die Rotwein nicht nach möglichst viel Körper auswählen.
Wer Pinot-Noir-artige Finesse mag, ohne einen Burgunder imitieren zu wollen, findet hier einen besonders zugänglichen Einstieg. Ein Produzentenbeispiel für diese Herkunft ist Domaine Chapel.
Fleurie: Finesse statt maximaler Kraft
Fleurie gehört zu den bekanntesten Crus und wird häufig mit floralen Noten, roter Frucht und einer feineren Struktur verbunden.
Das bedeutet nicht, dass jeder Fleurie federleicht ist. Parzelle, Ausbau und Produzent können erheblichen Einfluss haben. Als Ausgangspunkt für Käufer, die Eleganz wichtiger finden als Konzentration, ist Fleurie dennoch besonders interessant.
Régnié: unkomplizierter Einstieg in die Crus
Régnié gehört zu den jüngeren Cru-Appellationen und wird häufig früh zugänglich, fruchtbetont und aromatisch interpretiert.
Damit eignet sich Régnié gut für alle, die von Beaujolais-Villages erstmals in die Cru-Welt wechseln möchten. Antoine Sunier ist ein Produzent, bei dem Régnié eine wichtige Rolle spielt.
Brouilly: fruchtig und rund
Brouilly ist der flächenmäßig größte und südlichste der zehn Crus. Typisch sind häufig rote Früchte, eine runde Struktur und relativ weiche Tannine.
Wer einen Cru für einen geselligen Abend sucht und nicht unbedingt lange lagern möchte, findet hier eine sehr naheliegende Richtung.
Côte de Brouilly: mehr Spannung am Mont Brouilly
Côte de Brouilly darf trotz des ähnlichen Namens nicht mit Brouilly gleichgesetzt werden. Die Weinberge liegen an den Hängen des Mont Brouilly und sind stark von sogenannten blauen Gesteinen geprägt.
Die Weine können lebendiger, würziger und strukturierter wirken. Damit ist Côte de Brouilly besonders interessant, wenn Brouilly zu weich erscheint, Morgon aber noch nicht nötig ist.
Juliénas: Frucht, Würze und mehr Substanz
Juliénas verbindet häufig rote Frucht und florale Elemente mit Würze und etwas mehr Körper. Damit liegt der Cru stilistisch interessant zwischen sehr feinen und deutlich strukturierteren Beaujolais-Stilen.
Er eignet sich besonders für Käufer, die bereits wissen, dass ihnen Gamay gefällt, aber etwas mehr Substanz als bei einem sehr leichten Stil suchen.
Chénas: klein, würzig und strukturierter
Chénas ist flächenmäßig der kleinste der zehn Crus. Schwarze Früchte, florale Noten, Würze und eine festere Struktur können den Stil prägen.
Die Appellation eignet sich für alle, die einen weniger offensichtlichen Cru entdecken möchten. Domaine Thillardon arbeitet eng mit Chénas und zeigt, warum diese kleine Herkunft für Gamay-Fans interessant sein kann.
Morgon: wenn Beaujolais mehr Tiefe bekommen soll
Morgon gehört zu den strukturiertesten und bekanntesten Crus. Reife Steinfrucht, Kirschanklänge, Würze und eine kräftigere Struktur sind häufige Orientierungspunkte.
Viele Morgon können nicht nur jung getrunken werden, sondern entwickeln sich mit Flaschenreife weiter. Innerhalb der Appellation sind Namen wie Côte du Py oder Corcelette zusätzlich interessant, weil sie die Herkunft noch enger eingrenzen.
Produzenten wie Domaine Jean Foillard haben wesentlich dazu beigetragen, dass Morgon heute auch außerhalb Frankreichs als ernstzunehmender Herkunftswein wahrgenommen wird.
Moulin-à-Vent: Struktur und Reifepotenzial
Moulin-à-Vent gehört zu den Beaujolais-Crus, die besonders häufig für strukturierte und lagerfähigere Weine genannt werden. Junge Exemplare können floral und fruchtig wirken; mit Reife können komplexere Gewürz-, Erd- und Fruchtnoten hinzukommen.
Wer Beaujolais ausschließlich mit unkompliziertem Nouveau verbindet, erlebt hier den größten Gegenentwurf.
Domaine Mee Godard verbindet Morgon und Moulin-à-Vent im Portfolio und eignet sich deshalb besonders gut, um Unterschiede innerhalb der strukturierten Cru-Seite des Beaujolais nachzuvollziehen.
Saint-Amour: nicht nur ein Wein für den Valentinstag
Saint-Amour kann in zwei Richtungen gehen. Kürzere Vinifikation führt häufig zu leichteren, fruchtigen und floralen Weinen; längere Mazeration kann kräftigere und würzigere Varianten hervorbringen.
Der Name macht Saint-Amour zwar im Februar besonders populär, stilistisch ist der Cru aber das ganze Jahr interessant.
Fleurie oder Morgon: welcher passt besser?
Diese Entscheidung zeigt sehr gut, warum Beaujolais nicht als ein einziger Stil verstanden werden sollte.
| Wenn gesucht wird … | Eher wählen |
|---|---|
| floral, fein und elegant | Fleurie |
| frisch und besonders leichtfüßig | Chiroubles |
| saftig und früh zugänglich | Régnié oder Brouilly |
| mehr Würze und Struktur | Juliénas, Chénas oder Côte de Brouilly |
| mehr Tiefe | Morgon |
| deutliches Entwicklungspotenzial | Morgon oder Moulin-à-Vent |
Wer Fleurie mag, aber mehr Struktur sucht, sollte deshalb nicht automatisch zu einem teureren Fleurie greifen. Ein Wechsel nach Morgon oder Moulin-à-Vent kann die gewünschte Veränderung wesentlich besser treffen.
Nouveau, Beaujolais oder Villages: was ist der Unterschied?
Beaujolais Nouveau
Nouveau ist bewusst ein sehr junger Wein. Er wird jedes Jahr am dritten Donnerstag im November freigegeben und soll vor allem Frische, unmittelbare Frucht und den Charakter eines jungen Jahrgangs zeigen.
Er stammt aus den Appellationen Beaujolais oder Beaujolais-Villages. Die zehn Crus gehören nicht zum Nouveau-System.
Nouveau ist deshalb nicht die „schlechtere Version“ eines Morgon. Beide Weine erfüllen völlig unterschiedliche Aufgaben.
Beaujolais
Die regionale Appellation Beaujolais ist der breiteste Einstieg in die Region. Rote Varianten wirken häufig fruchtig, frisch und relativ unkompliziert.
Wichtig: Beaujolais ist nicht ausschließlich Rotwein. Innerhalb der regionalen Appellation gibt es auch Rosé- und Weißwein.
Beaujolais-Villages
Beaujolais-Villages stammt aus einem enger abgegrenzten Teil der Region. Häufig zeigen die Weine etwas mehr Struktur und Herkunftscharakter, die Appellation ist stilistisch aber keineswegs einheitlich.
Deshalb sollte Villages nicht einfach als starre Qualitätsstufe zwischen Beaujolais und Cru verstanden werden.
Kaufregel: Nouveau nach Trinkmoment auswählen, Beaujolais nach unkompliziertem Stil, Villages nach etwas mehr Herkunft und Cru nach gewünschter konkreter Stilrichtung.
Warum schmeckt Beaujolais oft so fruchtig?
Ein wichtiger Grund liegt in der traditionellen Beaujolais-Vinifikation. Häufig wird mit ganzen Trauben und einer sogenannten semi-carbonischen Mazeration gearbeitet.
Im unteren Teil des Behälters werden Trauben durch ihr eigenes Gewicht gequetscht. Gärung beginnt und erzeugt Kohlendioxid. In den noch weitgehend intakten Beeren darüber laufen dadurch besondere Prozesse ab, die den sehr fruchtbetonten Charakter vieler Beaujolais unterstützen können.
Interessant ist dabei die Dauer der Mazeration. Als grobe regionale Orientierung gelten:
| Weinstil | Typische durchschnittliche Mazerationsdauer | Zielrichtung |
|---|---|---|
| Nouveau / Primeur | etwa 4–6 Tage | unmittelbare Frucht und früher Genuss |
| Beaujolais / Beaujolais-Villages | etwa 6–10 Tage | Frucht mit etwas mehr Struktur |
| Crus | etwa 10–15 Tage | mehr Extraktion, Struktur und teilweise Reifepotenzial |
Das sind keine verpflichtenden Rezepte. Produzenten können bewusst anders arbeiten. Die Größenordnung erklärt aber sehr anschaulich, warum zwei Gamay-Weine aus derselben Region völlig unterschiedliche Aufgaben erfüllen können.
Ist Beaujolais immer Gamay?
Gamay prägt das Beaujolais sehr stark. Rund 97 Prozent der Rebfläche der Region sind mit Gamay bepflanzt.
Trotzdem ist die Gleichung „Beaujolais = ausschließlich roter Gamay“ zu einfach. Die regionalen Appellationen Beaujolais und Beaujolais-Villages können auch Weiß- und Roséweine hervorbringen; bei Weißwein spielt Chardonnay die zentrale Rolle.
Für die zehn roten Crus ist Gamay dagegen die entscheidende Rebsorte.
Welcher Beaujolais kann lagern?
Die verbreitete Vorstellung, Beaujolais müsse grundsätzlich möglichst jung getrunken werden, stammt vor allem vom Image des Nouveau.
Für Nouveau ist früher Genuss tatsächlich Teil des Konzepts. Bei Villages und insbesondere bei den Crus sieht die Situation anders aus.
| Stil | Trinkorientierung |
|---|---|
| Nouveau | bewusst jung und frisch trinken |
| Beaujolais | häufig jung besonders attraktiv |
| Beaujolais-Villages | je nach Produzent jung oder mit etwas Entwicklung |
| Chiroubles / Régnié / Brouilly | häufig schon jung sehr zugänglich |
| Fleurie / Juliénas / Côte de Brouilly / Chénas | je nach Wein sowohl jung als auch mit Reife interessant |
| Morgon / Moulin-à-Vent | besonders interessant für Flaschenentwicklung |
Auch hier gilt: Appellation allein garantiert keine Lagerfähigkeit. Produzent, Jahrgang, konkrete Cuvée und Lagerbedingungen bleiben entscheidend.
Soll Beaujolais gekühlt werden?
Ja – besonders leichtere Beaujolais-Stile profitieren häufig von einer deutlichen Kühlung. „Gekühlt“ bedeutet bei Rotwein allerdings nicht eiskalt.
| Weinstil | Gute Orientierung |
|---|---|
| Beaujolais Nouveau | etwa 12 °C |
| roter Beaujolais | etwa 13–14 °C |
| roter Beaujolais-Villages | etwa 13–14 °C |
| leichtere Crus | etwa 13–15 °C |
| strukturierte Crus wie Morgon, Chénas oder Moulin-à-Vent | etwa 15–17 °C |
Ein zu warmer Gamay kann breiter und alkoholischer wirken, als er tatsächlich ist. Im Zweifel ist eine Flasche deshalb meist besser leicht zu kühl als deutlich zu warm.
Beaujolais zu Herbstküche: Pilze, Wild und Schmorgerichte
Der saisonale Zeitpunkt rund um Nouveau passt zufällig sehr gut zur mitteleuropäischen Herbstküche.
Zu einem feinen Pilzrisotto oder gebratenen Eierschwammerln können Fleurie, Chiroubles oder ein fruchtbetonter Brouilly interessant sein. Sie bringen rote Frucht und Frische, ohne das Gericht mit schweren Tanninen zu überlagern. Welche Faktoren bei Pilzen wirklich entscheidend sind, erklärt der Ratgeber Wein zu Pilzen & Schwammerln ausführlicher.
Bei Reh, Hirsch oder kräftigeren Schmorgerichten darf Beaujolais mehr Struktur mitbringen. Morgon, Moulin-à-Vent, Chénas oder ein kräftiger Juliénas können hier interessanter sein als ein sehr leichter Nouveau. Die genaue Auswahl nach Wildart und Zubereitung übernimmt der Beitrag Wein zu Wild richtig auswählen.
| Gericht | Gute Beaujolais-Richtung |
|---|---|
| Charcuterie, Jause, kalte Platte | Nouveau, Beaujolais, Régnié |
| Pilzrisotto | Fleurie, Chiroubles, Brouilly |
| Brathuhn | Beaujolais-Villages, Brouilly, Fleurie |
| Schweinebraten | Juliénas, Côte de Brouilly |
| Rehrücken | Fleurie mit Substanz, Côte de Brouilly, Morgon |
| Hirsch oder kräftiges Wildragout | Morgon, Chénas, Moulin-à-Vent |
Wie viel sollte man für Beaujolais ausgeben?
Ein Cru ist nicht automatisch die beste Wahl nur deshalb, weil er teurer ist als ein regionaler Beaujolais.
Wer einen frischen Rotwein für eine Jause oder einen geselligen Abend sucht, kann mit Beaujolais oder Beaujolais-Villages genau richtig liegen. Ein strukturierter Morgon oder Moulin-à-Vent rechtfertigt seinen Aufpreis eher dann, wenn Herkunft, Komplexität oder Flaschenreife tatsächlich gesucht werden.
Genau deshalb sollte der Preis erst nach dem gewünschten Stil beurteilt werden. Wie sich Weinpreis, Herkunft, Aufwand und tatsächliche Qualität sinnvoll auseinanderhalten lassen, zeigt der Beitrag Was kostet guter Wein?.
Beaujolais am besten verstehen: vier Flaschen direkt vergleichen
Wer die Region wirklich verstehen möchte, lernt mit einem kleinen Vergleich mehr als mit zehn Aromabeschreibungen.
Ein sinnvoller Beaujolais-Flight könnte beispielsweise so aussehen:
- ein Beaujolais oder Beaujolais-Villages,
- ein Chiroubles oder Fleurie,
- ein Régnié oder Brouilly,
- ein Morgon oder Moulin-à-Vent.
Die Reihenfolge geht dabei von leichter und fruchtiger zu strukturierter. Besonders interessant sind Unterschiede bei Frucht, Säure, Tannin, Körper und Länge.
Probiermengen, Reihenfolge und Flaschenzahl für einen solchen Abend lassen sich mit dem Ratgeber Weinprobe zu Hause planen vorbereiten.
Beaujolais Nouveau und Steirischer Junker: ähnlich, aber nicht dasselbe
Für österreichische Weintrinker liegt der Vergleich mit dem Steirischen Junker nahe. Beide machen einen neuen Jahrgang früh sichtbar und stehen stark für unmittelbaren, jungen Trinkgenuss.
Die Systeme sind trotzdem unterschiedlich.
| Steirischer Junker | Beaujolais Nouveau | |
|---|---|---|
| Grundidee | früher junger Wein des neuen steirischen Jahrgangs | früher junger Wein des neuen Beaujolais-Jahrgangs |
| Herkunft | Steiermark | Beaujolais oder Beaujolais-Villages |
| Stil | jugendlich und frisch, je nach Variante unterschiedlich | besonders unmittelbar, fruchtig und früh zugänglich |
| Freigabe | eigener Verkaufsstart | jährlich am dritten Donnerstag im November |
| Aussage über den Jahrgang | früher Eindruck, kein endgültiges Urteil über spätere Spitzenweine | früher Eindruck, kein Maßstab für Morgon, Moulin-à-Vent & Co. |
Wer sich dafür interessiert, warum ein sehr früher Wein nicht automatisch den gesamten Jahrgang beurteilen kann, findet diese Frage im Beitrag Steirischer Weinjahrgang verstehen ausführlicher erklärt.
Aktuell 2026: Der Steirische Junker startet am 23. Oktober, die Junkerpräsentation in Graz findet am 4. November statt. Beaujolais Nouveau folgt am 19. November 2026. Am selben Tag führt die Französisch-Österreichische Handelskammer in Wien einen Salon Beaujolais Nouveau für ihre Mitglieder durch. Diese Termine ändern nichts am Evergreen-Grundsatz: Beaujolais Nouveau erscheint jedes Jahr am dritten Donnerstag im November.
Fünf typische Fehlentscheidungen beim Beaujolais-Kauf
1. Beaujolais mit Nouveau gleichsetzen
Nouveau ist nur ein Teil der Region. Morgon, Fleurie oder Moulin-à-Vent verfolgen ganz andere Stilideen.
2. Cru automatisch mit „besser“ übersetzen
Ein Cru bietet eine konkrete Herkunft, nicht automatisch mehr persönlichen Genuss. Für einen unkomplizierten Abend kann Beaujolais-Villages die passendere Wahl sein.
3. Fleurie für eine Rebsorte halten
Fleurie ist eine Herkunft. Die rote Rebsorte hinter dem Cru ist Gamay.
4. Jeden Beaujolais möglichst jung trinken
Das passt zum Nouveau, aber nicht pauschal zu den Crus. Insbesondere Morgon und Moulin-à-Vent können mit Reife deutlich interessanter werden.
5. Rotwein automatisch bei warmer Raumtemperatur servieren
Viele Beaujolais zeigen ihre Frische besser leicht gekühlt. Besonders Nouveau und leichtere Crus profitieren davon.
FAQ zu Beaujolais, Nouveau und den Crus
Ist Morgon ein Beaujolais?
Ja. Morgon ist eine der zehn Cru-Appellationen des Beaujolais. Auf dem Etikett steht häufig vor allem „Morgon“, obwohl der Wein geografisch und weinrechtlich zur Beaujolais-Region gehört.
Ist Fleurie eine Rebsorte?
Nein. Fleurie ist eine Cru-Appellation im Beaujolais. Die rote Rebsorte der Cru-Weine ist Gamay.
Wie viele Beaujolais-Crus gibt es?
Es gibt zehn: Brouilly, Chénas, Chiroubles, Côte de Brouilly, Fleurie, Juliénas, Morgon, Moulin-à-Vent, Régnié und Saint-Amour. Zusammen mit Beaujolais und Beaujolais-Villages kommt die Region auf zwölf Appellationen.
Ist Beaujolais Nouveau ein Cru?
Nein. Nouveau ist ein früh veröffentlichter Weinstil aus Beaujolais beziehungsweise Beaujolais-Villages. Die zehn Crus sind eigenständige kommunale Herkunftsappellationen.
Wann kommt Beaujolais Nouveau auf den Markt?
Jedes Jahr am dritten Donnerstag im November. Der konkrete Kalendertag verändert sich daher von Jahr zu Jahr.
Was ist der Unterschied zwischen Beaujolais und Beaujolais-Villages?
Beaujolais-Villages stammt aus einem enger definierten Herkunftsbereich. Häufig besitzen diese Weine etwas mehr Struktur, dennoch ist Villages keine Garantie dafür, dass der Wein persönlich besser gefällt als ein regionaler Beaujolais.
Welcher Beaujolais ist besonders leicht?
Chiroubles und Régnié sind gute Ausgangspunkte für frische, leichtere und früh zugängliche Cru-Stile. Fleurie ist besonders interessant, wenn zusätzlich florale Finesse gesucht wird.
Welcher Beaujolais ist kräftiger?
Morgon, Moulin-à-Vent und Chénas gehören zu den naheliegendsten Richtungen für mehr Struktur. Auch Juliénas und Côte de Brouilly können mehr Substanz bieten als sehr leichte Cru-Stile.
Welcher Beaujolais kann gut reifen?
Morgon und Moulin-à-Vent sind besonders für Flaschenentwicklung bekannt. Auch andere Crus können sich entwickeln; entscheidend bleiben Produzent, Jahrgang und konkrete Cuvée.
Muss Beaujolais gekühlt werden?
Leichte Kühlung ist meistens sinnvoll. Nouveau darf ungefähr bei 12 °C serviert werden, rote Beaujolais und Villages ungefähr bei 13 bis 14 °C. Strukturierte Crus liegen häufig eher bei 15 bis 17 °C.
Die wichtigste Kaufregel für Beaujolais
Beaujolais lässt sich am zuverlässigsten auswählen, wenn zuerst der gewünschte Stil und erst danach der Name auf dem Etikett festgelegt wird.
Für sehr jungen Trinkgenuss Nouveau wählen. Für einen unkomplizierten Einstieg Beaujolais oder Villages ansehen. Für Finesse Chiroubles oder Fleurie prüfen. Für saftigen Cru-Charakter Régnié oder Brouilly wählen. Für mehr Struktur Juliénas, Chénas oder Côte de Brouilly vergleichen. Für Tiefe und Entwicklungspotenzial besonders Morgon und Moulin-à-Vent beachten.
So wird aus der vermeintlich einfachen Frage „Welcher Beaujolais ist gut?“ eine deutlich nützlichere Entscheidung: Welcher Beaujolais passt zu dem Stil, dem Essen und dem Trinkzeitpunkt, den ich tatsächlich suche?
Hinweis: Die beschriebenen Stilrichtungen dienen als Orientierung. Jahrgang, Produzent, Parzelle und Vinifikation können den Charakter einer konkreten Flasche deutlich verändern. Alkohol bewusst genießen.
